Seit Ende August 2026 erscheint laut Presseberichten auch in Deutschland Werbung in ChatGPT. Viele Inhaberinnen und Geschäftsführer stellen sich deshalb dieselbe Frage: Sollte ich einen Teil meines Google-Budgets abziehen und stattdessen in ChatGPT werben? Ein Test mit ChatGPT Ads als Ergänzung zu Google Ads kann sich lohnen, wenn Sie den Kanal zusätzlich prüfen und Ihre Google Ads weiterlaufen lassen. ChatGPT Ads sind Anzeigen, die OpenAI unterhalb einer Antwort in ChatGPT zeigt. Sie sind kein weiterer Kampagnentyp in Google Ads, sondern ein eigener Kanal mit eigenem Konto im Ads Manager, der Werbeoberfläche von OpenAI. Sie können Ihre Google Ads ergänzen, aber nicht ersetzen.

Der Grund liegt nicht darin, dass eine Fläche besser wäre als die andere. Beide antworten auf einen anderen Moment. Wer das einmal auseinanderhält, trifft die Budgetfrage deutlich ruhiger.

Was ChatGPT Ads sind und wo sie erscheinen

Stellt jemand in ChatGPT eine Frage, kann unter der Antwort eine Anzeige stehen. Sie ist als „gesponsert“ gekennzeichnet und sichtbar von der Antwort getrennt. Zur Anzeige gehören der Name und das Logo des Werbetreibenden, ein kurzer Titel, ein Anzeigentext, ein Bild und ein Link auf Ihre Zielseite, also die Seite, auf der Menschen nach dem Klick landen.

Welche Anzeige erscheint, entscheidet laut OpenAI eine Auktion, in der Relevanz und Gebot gemeinsam zählen. Die Relevanz ergibt sich aus dem Gespräch, aus Ihrer Anzeige und Ihrer Zielseite und aus sogenannten Context Hints. Das sind Beschreibungen von Themen und Gesprächen, zu denen Ihre Anzeige passen soll. Exakte Suchbegriffe, wie Sie sie aus Google Ads kennen, sind sie ausdrücklich nicht.

Das Prinzip kennen Sie vielleicht aus Google Ads: Sie geben Signale vor, die Auswahl trifft das System. Wie weit das bei Google reicht, zeigt die Erklärung, was die Automatik bei Performance Max entscheidet.

Seit dem 31. August 2026 können Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz laut OpenAI selbst über den Ads Manager buchen. Vorher prüft OpenAI Unternehmen und Branche, eine feste Frist für die Freischaltung gibt es nicht. Der Ads Manager trägt noch den Zusatz Beta, befindet sich also in einer öffentlichen Testphase, in der sich Einstellungen und Regeln häufig ändern.

Wer die Anzeigen überhaupt sieht

Anzeigen bekommen nur Nutzerinnen und Nutzer der kostenlosen Stufe (Free) und des Tarifs Go. Die Tarife Plus, Pro, Business, Enterprise und Edu sind werbefrei. Konten, die als unter 18 eingestuft werden, sehen keine Anzeigen, temporäre Chats bleiben ebenfalls frei davon. Selbst in der kostenlosen Stufe gibt es laut OpenAI eine werbefreie Option, dann mit weniger Funktionen.

Dazu kommen Themen, bei denen OpenAI grundsätzlich keine Werbung zeigt: persönliche Gesundheit, mentale Gesundheit und Politik. Die erreichbare Zielgruppe ist also ein Ausschnitt der Menschen, die ChatGPT nutzen, nicht alle.

Kontextbezogen statt persönlich: was im Europäischen Wirtschaftsraum gilt

Im Europäischen Wirtschaftsraum und in der Schweiz sind personalisierte Anzeigen vorerst nicht verfügbar. Personalisiert hieße, dass frühere Chats oder das bisherige Verhalten einer Person die Auswahl mitbestimmen. Stattdessen gilt nur die kontextbezogene Auslieferung: Die Anzeige richtet sich nach dem aktuellen Gespräch und nach groben Angaben wie ungefährem Standort und Sprache.

Für Sie heißt das, dass Sie nicht Menschen ansprechen, sondern Gesprächsthemen. Eigene Kundenlisten empfiehlt OpenAI für diese Märkte derzeit ausdrücklich nicht. Wann sich das ändert, hat OpenAI nicht mitgeteilt. Offen ist laut den Hilfeseiten von OpenAI auch, ob sich in Deutschland einzelne Städte oder Postleitzahlen auswählen lassen, denn diese Optionen stehen dort nur mit dem Zusatz „wo verfügbar“.

Suchanzeige und ChatGPT-Anzeige treffen verschiedene Momente

Eine Suchkampagne, also Textanzeigen in den Google-Suchergebnissen, antwortet auf etwas, das jemand selbst getippt hat. Die Absicht steht im Suchfeld. Sie legen fest, bei welchen Suchen Ihre Anzeige erscheint und bei welchen nicht, und im Suchanfragenbericht, der Liste der tatsächlichen Suchen, sehen Sie später, wofür Sie bezahlt haben.

In ChatGPT ist die Lage anders. Die Person führt ein Gespräch, und Ihre Anzeige erscheint unter einer Antwort, ausgewählt über Themen statt über Suchbegriffe. Als Werbetreibender sehen Sie keine Gesprächsinhalte, sondern zusammengefasste Leistungsdaten wie Einblendungen, Klicks und Kosten. Das ist aus Sicht des Datenschutzes richtig, heißt aber auch: Die feine Steuerung über Suchbegriffe und auszuschließende Suchbegriffe, die eine gute Suchkampagne ausmacht, gibt es hier in dieser Form nicht. Ob sich Gesprächsthemen gezielt ausschließen lassen, hat OpenAI nicht dokumentiert.

Der Unterschied passt in zwei Sätze. Die Google-Suche erntet Nachfrage, die schon ausgesprochen ist. ChatGPT Ads erscheinen im Gespräch, während jemand Möglichkeiten erkundet und vergleicht, oft bevor ein fertiger Suchbegriff feststeht. Innerhalb von Google Ads heißt dieselbe Frage Nachfrage wecken oder ernten. Die Entscheidung folgt derselben Logik: Jede Fläche hat eine Aufgabe. Wie das bei Google aussieht, zeigt die Übersicht, welcher Google Ads Kampagnentyp zu Ihrem Ziel passt. Eine neue Fläche kommt dazu, wenn sie eine Lücke füllt, nicht weil sie neu ist.

Warum Sie ChatGPT Ads besser mit zusätzlichem Budget testen

Erstens fehlen für Deutschland Erfahrungswerte. Welche Klickpreise hier üblich sind, hat OpenAI nicht veröffentlicht. Aus der geschlossenen Testphase in den USA gibt es nur Rückblicke: Laut Pressebericht von Search Engine Land vom Januar 2026, der sich auf einen anderen Bericht stützt, lag der Preis bei rund 60 US-Dollar pro tausend Einblendungen, in der Branche CPM genannt. Adweek berichtete im selben Monat, OpenAI habe ausgewählten Werbetreibenden eine Mindestzusage von 200.000 US-Dollar abverlangt. Beide Zahlen hat OpenAI nicht selbst veröffentlicht. Diese Werte stammen aus einer Zeit vor der Selbstbuchung und sind deshalb kein Maßstab für heute.

Zweitens braucht die Messung hier Vorbereitung, inklusive Einwilligung. Eine Conversion ist eine gezählte Handlung auf Ihrer Seite, etwa ein Formular oder eine Buchung. OpenAI misst sie über ein Pixel, also ein kleines Skript auf Ihrer Website, das eine Kennung in einem Cookie speichert, auf Wunsch ergänzt um eine Übermittlung direkt von Ihrem Server. Die Einwilligung Ihrer Besucher dafür einzuholen, liegt nach den Unterlagen von OpenAI bei Ihnen. Das Pixel sollte deshalb in Ihr Einwilligungsbanner aufgenommen werden, und erst mit Messung wird der Vergleich mit Ihrer Suchkampagne belastbar.

Drittens ist die Fläche eine Beta. Formate, Richtlinien und Einstellungen ändern sich laufend. Mit zusätzlichem Budget lernen Sie die neue Fläche kennen, während Ihre bewährte Suchkampagne weiterläuft.

Wann ChatGPT Ads als Ergänzung zu Google Ads sinnvoll sind

Ein Test mit ChatGPT Ads als Ergänzung zu Google Ads kann sich lohnen, wenn mehrere Punkte zusammenkommen:

  • Ihre Suchkampagne läuft sauber, und die Ausschlüsse stehen.
  • Die Conversion-Erfassung, also die technische Messung der Handlungen, funktioniert.
  • Ihr Angebot ist erklärungsbedürftig und wird vor dem Kauf durchdacht.
  • Ihre Branche ist bei OpenAI außerhalb der USA zugelassen.
  • Sie können ein zusätzliches Budget ohne Druck einsetzen.

Das Mindest-Tagesbudget liegt laut OpenAI bei 15 Euro, wenn das Konto in Euro abrechnet, in Franken bei 20 Franken. Bezahlt werden Einblendungen oder Klicks, nicht die Conversion selbst, und nach dem Pausieren kann eine Kampagne noch bis zu 24 Stunden Kosten verursachen. Am besten fließt dieses Geld zusätzlich zur Suche. So bleibt Ihr Vergleich ehrlich: Die Suche liefert weiter, und der Test zeigt, ob ChatGPT etwas hinzufügt.

Für welche Betriebe sich Geduld lohnt

Lokale Dienstleistungen, Reisen und digitale Produkte nennt OpenAI als unterstützte Bereiche, die Prüfung im Einzelfall bleibt bei OpenAI. Außerhalb der USA schließt OpenAI dagegen mehrere Branchen aus oder lässt sie nur für ausgewählte Werbetreibende zu, darunter Rechtsdienstleistungen, Nahrungsergänzungsmittel und viele Gesundheitsangebote. Für Pflege und Gesundheit lohnt sich deshalb meist die Google-Suche als erster Kanal.

Wenn Sie ausschließlich im engen Umkreis arbeiten, lohnt es sich außerdem abzuwarten, bis klar ist, ob sich in Deutschland Städte oder Regionen auswählen lassen. Bis dahin ist die Google-Suche mit einem sauber begrenzten Einzugsgebiet die verlässlichere Wahl.

Was daraus für Ihr Budget folgt

Bevor Sie Werbung in ChatGPT testen, beantworten Sie für sich drei Fragen: Läuft meine Suchkampagne sauber? Wird gemessen, und ist die Einwilligung geregelt? Ist meine Branche dort zugelassen? Solange eine Antwort nein lautet, ist das Geld in der Suche am besten aufgehoben.

Wenn alle drei Antworten stehen oder Sie bei einer davon unsicher sind, können Sie ChatGPT Ads von Anfang an sauber einrichten und messen lassen: Schicken Sie mir zwei, drei Sätze zu Angebot, Region und bisherigem Kampagnenmix.

Ich bin Salvatore Gallace, Freelancer für Google Ads in Konstanz. Konzept und Umsetzung kommen aus einer Hand. Wenn für Ihre Lage ein späterer Test sinnvoller ist, sage ich Ihnen das offen, auch wenn der Auftrag dann kleiner ausfällt.

ChatGPT Ads als Ergänzung zu Google Ads statt Ersatz